Anarchismus und Sexualitaet

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Die folgenden Texte entstanden während einer schriftlichen Diskussion in einem Worksshop zu Anarchismus und Sexualität im Dezember 2007. Die Leitfrage dabei war "Wie können wir möglichst herrschaftsfrei Sex haben?". Die Teilnehmer_innen diskutierten schriftlich und anonym auf mehreren Zetteln zu den Themen ihrer Wahl. Hier könnt ihr nun die Diskussionen nachlesen. Sie wurden einfach nur abgetippt und nicht sortiert. Nur Überschriften wurden teilweise nachträglich hinzugefügt.

Den Anstoß für den Workshop zu Anarchismus und Sexualität gab folgende Situation: Auf dem Kongress, auf dem der Workshop stattfand, wurde ein Workshop mit dem Titel "Sexuelle Orgie" angekündigt, was zu einer kongressweiten Diskussion u.A. über den Zusammenhang von Politik und Sexualität führte.

Sex aus der Privatsphäre holen

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Das ist für mich ein heisses Pflaster. 1) Wichtig finde ich vor allem, Sex auf diskursiver Ebene aus der Sphäre des "Privaten" zu holen. Denn das "private" ist politisch. Und Sex wird gerne als unpolitischer Raum gesehen: "Wenn beide 'es' wollen, was hatt das dann mit Macht zu tun? Ausserdem wollen die Mächtigen und die Bürgerlichen Nicht, dass 'wir' befreit und hemmungslos Sex haben (wirkich?), deswegen ist Ficken total widerständig." -> da wird Sex dann wieder politisch, aber ich finde in einer unreflektierten Weise.

Meine Frage wäre nicht, ob Ficken generell total widerständig ist, sondern wie strukturelle Herrschaftsverhältnisse sich im Sex zeigen, wie Sexualität (also z.B. die Defonition davon, was Sexualität ist und was alle "normalen" Menschen unbedingt tun/haben wollen) im machtvollen Diskurs hergestellt wirs und wie Sexualität ihrerseits wieder machtvolle Diskurse hervorbringen kann. In diesem Sinne gehört Sex für mich raus aus der Sphäre des Privaten und rein in die kritische Diskussion.

2) Was ich aber problematisch finde, ist, wenn das Bedürfnis von Leuten, nicht ausserhalb von "Privatsphäre" Sex haben zu wollen, weil sie nicht dabei von allen beobachtet werden wollen und auch das Bedürfnis, nicht ungefragt den Sex oder auch nur die Nacktheit anderer aufgedrängt zu bekommen (nach dem Motto: Ich will im Kuschelraum zu einem Workshop und in dem Raum sind gerade Leute überraschen am Vögeln, so dass ich mich aus lauter Unbehagen nicht in den Raum reintraue) einfach als unemanzipatorische Prüderie abgetan wird.

Wir leben in einer Welt mit knallharten Schönheitsidealen, Nacktheit und Sex sind sensible Bereiche, zudem werden wir mit Bildern von nackten Körpern zugebombt. Das Bestreben, Sex aus dem privaten Bereich rauszuholen, darf nicht in Grenzüberschreitung ausarten. Das hatten wir schon in den 60er/70er Jahren (und seither nicht mehr?). Das hat gereicht, finde ich.

anm.: sowohl herrschaftsverhältnisse als auch sexualität sind allgegenwärtig und diffus, dh vorhanden, aber oft ungreifbar, weil sie eher "nebenher mitschwingen" und wenig bewusst wahrgenommen werden (können), weil sie meist nicht im haupt-fokus liegen. besonders komplex wird's, wo die beiden verflochten sind. hierarchie-abbau ist jedenfalls auch und gerade zwischen anarchist_inn_en in allen formen von beziehungen wichtig (wer wird immer wegen dem auto angerufen und was lassen sich die leute alles vom chauffeur "gefallen"; gibts im kumpelkreis "alphas", während andere meistens ignoriert werden? werden manche leute nur als "freund_in/schwester/bruder von..." wahrgenommen?

privat+politisch: lt. Marx ist das private (vereinfacht dargestellt) die dritte phase der gesellschaftlichen produktion, die regeneration (die für die produktion ja auch unerlässlich ist), also schon von daher definitiv politisch.

zur frage, wieviel nackheit wir unseren genoss_inn_en zumuten können: ähnlich wie bei der ewigen rauch-frage: auch dafür muss es gleichwertige räume geben. freie körper nicht nur hinter verschlossenen türen! rücksicht, dabei nicht beängstigend zu wirken, muss aber vorhanden sein.


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Genau deshalb dieser Workshop! Ich finde, in vielen der Begriffe, die wir gesammelt haben, können wir strukturelle Herrschaftsmechanismen finden: Also, wie gesellschaftlichr Normen unsere Sexualität formen, bestimmen, einengen, prägen, hervorbringen, ...

Aber muss aus der Erkenntnis, dass Sexualität politisch ist, nicht erstmal ein Reflexionsprozess folgen - also Reden, Schreiben, Diskutieren, ... - und nicht gleich eine Abschaffung der Privatsphäre? Kann das nicht kontraproduktiv sein, so wie eine Orgie, wo vielleicht die gleichen Vorstellungen und Normen unreflektiert reproduziert werden?

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Ich frage mich vor allem, wie ich einem wildfremden Menschen splitternackt mit Erektion auseinandersetzen soll, was ich nun will oder nicht?! antwort: "splitternackt mit Erektion" zu sein, bedeutet doch nicht empathie und menschenverstand zu verlieren! (wenn für dich der anblick, oder schon die erwähnung, eines splitternackten mannes eine grenzüberschreitung darstellt, hat dieseR das zu respektieren, sich anzuziehen, aus der sichtweite zu gehen, die sprache anzugleichen...) mMn enthält die Frage aber eine andeutung der sorgen, misshandelt zu werden. potenziell ist ein angekleideter mann ebenso gefährlich wie ein nackter, so wie ein bekannter ebenso gefährlich wie ein fremder ist. ich lege meinen Kolleg_innen und Freund_innen nahe, sich elementar in selbstverteidung zu üben, vorzugsweise Dim Mak (Nervenstellen attackieren - optiaml für "Schwache"), Krav Maga (anti-nazi-kampfkunst, entwickelt im Prager Ghetto und in der Israelian Defense Force), Wing CHun (der Sage nach eine Saholin-Gattung entwickelt von/für eine Frau). Die Kondition und das Selbstwertgefühl stärkt eine Wen-Do-Frauengruppe in deiner Nähe (erfodert aber Kraftaufbau).

Zurück zum Thema: Deutliche Anweisungen geben ("Zieh dich an!" - "Geh weg!" - "Bleib eine Armlänge weit weg!" "Dreh dich um!") -alles unter der Prämisse, der nackte Mann ist nicht erwünscht.

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Bedürfnisse müssten, denke ich, vorher geklärt werden und nicht erst mal nackig machen und loslegen. Auch bei der Orgie ist mir das viel zu unkonkret. Die Menschen verabreden sich nicht, weil sie das gleich sexuelle Bedürfnis haben. Das kann ja nur schief gehen (ausser alle stehen zufällig auf dasselbe).

In jeder Liebe/Beziehung existiert Anarchismus.

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In jeder Liebe/Beziehung existiert Anarchismus. Jeder sollte machen, was er/sie will, ohne dem anderen zu schaden - so kann auch Treue zustande kommen!
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Darf/soll man sich sexuell einschränken, wenn man Sex mit anderen möchte, aber eben auch den Partner nicht verletzen? Bedenken: Bedeutet denn "sich einschränken" nicht, sich selbst zu verstümmeln - und ist es Liebe, das auch vom geliebten Gegenüber zu verlangen?
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Ist es Nötigung, wenn ich meinem Partner sage, und wenn nicht mit ihm, dann mit wem anders?
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Nein, das ist ehrlich. Der/Die PartenerIn ist doch hoffentlich daran interessiert, dass es mir gut geht, sprich dass meine Bedürfnisse erfüllt werden, wenn auch nicht von ihm/ihr höchstpersönlich. Es könnte natürlich schwierig für mich werden, wenn der/die PartnerIn total verletzt ist, sobald sich herausstellt, dass ich weitere/andere Bedürfnisse habe.
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zu 1) Eine Erwartung an das Verhalten einer anderen Person ist unanarchistisch, wenn es nciht mit einer freien Vereinbarung verbunden ist, und das Problem ist, dass der gesellschaftliche Rahmen automatisch unfreiwillige Vereinbarungen vorgibt.
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zu 2) "Darf man/soll man" würde eine Norm beinhalten... Es ist nicht einfach, aber besser, die geliebte Person zu fragen statt allgemeine Verhaltensregeln zu erwarten.
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zu 6) Ist doch aber auch 'ne Regel, zu sagen: alles soll abgesprochen sein. Ist das jetzt unanarchistisch? plumpe frage: anarchismus beinhaltet freie, ständig verhandelbare vereinbarungen, nicht keine vereinbarungen. "macht euch eure regeln selbst" ist keine regel.
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zu 3) Ich habe bei Bekannten/Freunden immer wieder gehört, dass so ein Satz entweder als Druckmittel verwendet oder als solches empfunden wurde. Vielleicht entsteht das Problem vor allem dann, wenn vorher eine (unausgesprochene?) Vereinbarung/Erwartung gab (im Sinne eines traditionellen romantischen Beziehungsmodells), "sexuell treu" zu sein.
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Ich empfinde das auch als Druckmittel, wenn ich eine "Zweierbeziehung" möchte und mich am Anfang der Beziehung so darauf eingestellt habe.
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Finde das Dilemma schwierig: 1. Partner will konventionelle, treue Zweierbeziehung, 2. Partner will freie Liebe. Schwierig. Ich habe die Wünsche meines konventionellen Partners ignoriert und ihn über 4 Jahre Bezuhung immer wieder betrogen -> er fand es heraus -> völlig am Boden zerstört, in Grundfesten erschüttert => miserable Lösung

-> Entweder Situation klären (entsteht aber Druck für anderen / Beziehung funktioniert nicht) oder absolut garantieren, dass der Partner es nicht mitkriegt (->Vertrauensbruch). Mist.

Wieso ist die Frage "Wo fängt Sexualität an?" so wichtig? Und wozu?

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Ist das Bedürfnis, diese Grenze zu ziehen, ein Resultat unserer (kulturellen) Prägung? (ja, und die beinhaltet die gefahr sexueller übergriffe von mächtigeren)

Ist ein bewusster Umgang damit möglich? Oder ist es bereits eine bewusste Entscheidung? Z.B. zum Schutz vor Übergriffen? Eine Norm? Gibt es diese Norm auch in der "befreiten Gesellschaft"?

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Ich denke nicht, dass es nötig ist, das einzugrenzen. Aber macht der Begriff überhaupt Sinn, wenn alle etwas anderes damit meinen, oder fördert das nicht nur Missverständnisse?

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Es ist wichtig, einzugrenzen, ab wann ein sexueller Akt entsteht, denn sonst findet man/frau sich plötzlich in einer Situation wieder, die er/sie nicht will. (frage: sind denn nur sexuelle grenzüberschreitungen unangenehm: nein - wenn eine grenze aufgezeigt wird, muss diese eingehalten werden. über die sinnhaftigkeit einer solchen grenzziehung kann zwar diskutiert werden, aber mit verständnis, und nicht dem unbedingten bestreben "zu überzeugen/überreden".

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Kuscheln kann auch sexuellen Charakter haben = Sex sein.

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Für mich ist Sex schon etwas anderes als Schmusen. Ich kann angenehm mit einer attraktiven (für mich) Person Sex haben. Aber kuscheln nur mit jemensch, den ich emotional mag (oder es ist unangenehm).

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... aber das ist ja alles komplett subjektiv. D.h. wenn ich jemand auf Sex anspreche, kann die Person ja gar nicht wissen, was ich meine und mit hoher Wahrscheinlichkeit ein falsches Bild haben. Also: wozu taugt das Wort überhaupt? verschiedenartige handlungen haben sexualisierte konnotationen/untertöne oder personen sexuelle assoziationen mit unterschiedl handlungen.

natürliche Bedürfnisse?

  • Ich finde es problematisch und schwierig herauszubekommen, was meine Bedürfnisse in Punkto Sexualität sind. Natürlich werde ich sozialisiert, habe verinnerlicht, wie ich mich meiner Rolle entsprechend verhalten soll. Was ist nun, wenn ich die Kniekehle einer männlichen Person streicheln will? Will ich das, weil ich darauf getrimmt werde auf Männer "zu stehen"? Ich glaube ja nicht an ein ursprüngliches/natürliches Bedürfnis, meine Bedürfnisse sind ja auch immer von den Menschen um mich herum geprägt.
  • Man soll doch einfach machen auf was man Lust hat. Wenn man Lust hat, mal etwas neues auszuprobieren (homo o.a.) darf man das natürlich auch! Man muss sich doch nicht zwingen "anders" zu sein!
  • Was meinst du damit? Ich verstehe nicht, was an dem Bedürfnis besonders ist und warum du es nicht ausleben kannst.
  • Kniekehle streicheln macht auch bei weiblichen Personen Spaß.
  • (Frage mich gerade, ob's hier mehr um die Kniekehle geht oder darum, dass sie einem Mann gehört?)
  • Also dazu seine Bedürfnisse kennenzulernen: Wenn man sich schon fragt, warum man mehr auf Männer steht, dann kann man sich ja einfach mal immer wieder (z.B. auf Partys) Mädels angucken und selbst fragen, ob man sie z.B. küssen würde, wenn sie mit einem flirtet/das will. Wenn man diese Gedankenspiele öfters macht, kann man 1.besser reagieren, wenn wirklich 'n Mädel (bzw jemand Gleichgeschlechtliches! Das kann man ja auch auf Männer übertragen!) auf dich zukommt. Zum anderen baut man dadurch auch schon ein kleines Stück weit die Vorprägung ab. (Womit ich natürlich nicht behaupten will, dass jeder Mensch "Bi" sein muss!)

Was ist ein weiblicher Orgasmus?

  • Ich habe guten Sex, aber ob ich je gekommen bin, kann ich kaum definieren, ich zittere, es fühlt sich schon geil an; irgendwann ist dann auch genug... aber Höhepunkt?
  • Ja bei mir ist's genauso, also viel eher keinen oder auch doch, ist mir eigentlich egal... Orgasmus geht mir am A**** vorbei. Aber beim Mann ist's schon lustig!
  • Ja. seit ich "gelernt" habe, dass O. ein gesellschaftliches Konstrukt ist, dass ich sofort in die Tonne hauen sollte, kann ich endlich frei Sex genießen! Ein riesen Gewinn! Aber woher kommt es, dass soviele (auch "Frauen") glauben sowas zu erleben?
  • Was meint denn nun "sowas"?
  • Und für die Männer? Ich habe Angst vor Sex, der vor allem mir Spaß macht. Deshalb fände ich es toll, wenn meine Partnerin "auch" einen Orgasmus haben kann. Das stresst schon. Wenn es so etwas nicht gibt, wäre auch die Angst zu versagen oder wenig Lust zu bereiten vielleicht kleiner.
  • Du könntest versuchen, dass was du Orgasmus nennst, nicht für besonders wichtig und zentral zu halten, sondern/und dadurch diene Partnerin darin bestärken, einfach so ihr lustvolles Handeln zu genießen.
  • Also ich kenne mindestens eine Frau, die sagt, sie habe Höhepunkte, erst bergauf über den Gipfel und wieder runter...
->Für Männer: Ich hab irgendwann genug gehabt, bin befriedigt... manchmal schon vor meinem Partner, fände es schön, wenn da der Orgasmus nicht so wichtig wäre, dass ich nicht Rücksicht nehmen muss/möchte (wenn's so wichtig ist)
  • Für Männer: Ich glaube Orgasmus bei 'ner Frau wird völlig überbewertet. Hat Frau keinen, Mann schon, muss das in meinen Augen nicht heißen, das es ihr weniger Spaß gemacht hat. In keiner Weise!
  • Dieser verdammte Orgasmus ist mir scheißegal. Frau kann ohne genauso riesig viel haben! Die ganze Orgasmus-Erwartung 1.)setzt meiner Erfahrung nach nur Männer unter Druck -> nimmt Sex die Leichtigkeit. 2.)versucht Komplexe/Entäuschung beim Mann, wenn Frau keinen hatte -> veranlasst Frau dazu, einen vorzutäuschen -> Stress für beide -> Scheiß auf Orgasmus!
  • Finde ich nicht. Ist mir schon wichtig. Sehne mich nach der Extase und dem Gefühl mich im Raum aufzulösen. Da hilft auch keine Dekonstruktion.
  • Dass der Orgasmus irgendwie schon wieder was mit Leistungsgesellschaft zu tun hat verstehe ich. Aber ob es nun einen gibt oder nicht ist das nicht für die politische und auch sonstige Diskussion egal? wäre es nicht wichtig festzuhalten dass es wohl scheinbar bei manchen einen gibt bei anderen nicht und manchem ists egal.

Der "Orgasmus" gehört dekonstruiert.

Im Ernst. Ich glaube irgendwie nicht, dass es eine ganz bestimmte Art von sexuellem Erleben/Fühlen gibt, die: 1.) das ist, worauf bei sexuellen Handlungen unbedingt "hingearbeitet" werden muss, damit Sex Spaß macht, "gut" ist usw. 2.) bei allen Menschen gleich oder auch nur sehr ähnlich ist, sich gleich anfühlt, gleich erlebt wird. Warum denkt das überhaupt irgendjemand? Das ist doch Quatsch, finde ich. Als ob Sex als ein immer gleicher Ablauf funktioniert, den ich in ein Diagramm malen kann. So läuft das (Frag doch Dr. Sommer.). So jetzt weißt du bescheid, wie sich Sex für dich anfühlen müsste, wenn du "normal" bist. Wie furchtbar.

Ich glaube, dass es eine bedauerliche Reduzierung ist,wenn Sexualität sich auf Genitalien beschränkt um das eine Zentrum dreht, ein paar Muskelkontraktionen oder so, die dann "Orgasmus" heißen.

Ich glaube, dass sexuelles Erleben beeinflusst, eingeengt, strukturiert wird durch so ein Konstrukt wie "orgasmus". Plötzlich gibt es da "richtige" und "falsche" Gefühle: "Das war jetzt nichts, kein "guter" Sex, ich hate ja nichtmal einen Orgasmus. Oder?"

Meinung: stimm dir zu, sexuelle handlungen sollten nicht immer rasant auf den (seinen?) orgasmus zusteuern. Den weiblichen Orgasmus festzustellen find ich aber in einem (pro-)feministischen kontext durchaus wichtig (zumal dieser ja jahrhunderte lang pseudo-wissenschaftlich geleugnet wurde). daraus soll aber wiederum keine Fixiertheit resultieren. let it flow. enjoy.

Tue ich anderen Gewalt an ...

  • (1) wenn ich Menschen bewusst ausschliesse, um meine Sexualität privat ausleben zu können?
(2) Ist es herrschaftsfrei, einen Raum für gewisse Zeit bewusst zu besetzen, um in Zweisamkeit sein zu können?
  • Fragt sich, wozu: Sexualität als Handelsware (für Zustimmung, ..., Privilegien) einzusetzen oder Zuneigungsentzug bewusst als Druckmittel einzusetzen sind allesamt sicher nicht anarchistisch. Wenn "ich Menschen bewusst ausschliesse, um meine Sexualität privat ausleben zu können" tu ich mMn mir selbst Zwang/Gewalt an. Herrschaft wäre, wenn die Gruppe dich zwingt, keinen Sex zu haben.
  • zu 2) ein gewisses quantum an zeit/raum steht dir ja wohl zu... proportional nach bedarf und vorhandensein ;-)Kommt auf die Dauer dieser gewissen Zeit an, und inwiefern andere durch die Raumbesetzung benachteiligt sind.
zu 1) Nein, das ist jedes Menschen gutes Recht.
  • Kommt auf die konkrete Situation an, die Lösung sollte aber nicht in individuellem Verhalten gesucht werden, sondern in anderen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen (z.B. Pärchenräume, etc.)

anm.: ich für meinen teil will ja nicht nur in gesellschaftlichen Pärchenräume oder zuhause sex haben dürfen... und finden individuelles Verhalten schon gerechtfertigt. freiräume dazu zu schaffen ist aber gesellschaftliche aufgabe

Ich habe Angst andere Menschen zu verletzen

z.B. dadurch, dass ich ihnen das Gfühl gebe vor allem an ihrem Körper interessiert zu sein. Oder als Mann meistens Frauen "dumm anzumachen". Im Moment führt das dazu, dass ich fast gar nicht mit anderen Menschen über meine Wünsche, Ängste und Bedürfnisse, die sie selbst betreffen, kommunizieren kann. Das ist ärgerlich und fühlt sich gar nicht gut an. Was meint ihr dazu?

  • Nun eine Beziehung ist dafür da (meine Definition) alle Gefühle zu besprechen, auch die sexuellen, wenn mensch sich mit einem/r anderen verbunden fühlt, dann muss mensch doch nicht nur über gemeinsame Hobbies und Politik reden -> Sex ist ein Hobby... One-Night-Stands sind für Sex da, also auch kein Problem drüber zu sprechen?
  • Das "Witzige" an deinen Ängsten bzw. Gedanken ist, dass sie, glaube ich, gar nicht so selten sind. Nur warum ist das so? Theoretisch könnte mensch ja meinen, heute sind wir so offen + können über alles reden - vor allem Sex. An welchen Stellen in unserem Sozialisationsprozess werden derartige Ängste produziert? Klar muss mensch darüber reden. ich glaube auch, dass Kommunikation sehr wichtig ist - einmal um eben nichts zu machen, was der andere nicht will -> damit sinkt die Gefahr jemensch zu verletzen;- dann um seine eigenen Bedürfnisse zu äußern;+ letztlich um zu erfahren, dass mensch die oben geschilderten Ängste nicht zu haben braucht.
  • Zum zweiten Beitrag: Woher kommt denn da auf einmal der Begriff "Beziehung" und dann ist auch noch von 2 Personen (eine Person, die sich mit der anderen verbunden fühlt) die Rede. Von dem Kontext einer Zweierbeziehung ist im Ausgangsbeitrag doch gar nicht die Rede. Ich merke das aus folgenden Gründen an: -Ich finde es einengend, wenn zwischenmenschliche Beziehungen vorstrukturiert werden durch ein ganz begrenztes Feld von Möglicheiten, das in Kategorien unterteilt ist (Fraundschaft, Beziehung, Bekanntschaft...) -Ich finde es insbesondere Problematisch, dass in diesen Kategorien festgelegt ist, welche zwischenmenschlichen Handlungen wohin gehören, welche in Folge dessen zusammengehören etc.
Also z.B. Freundschaft = emotionale Bindung aber ohne Sexualität, ("zu viel") Zärtlichkeit etc.
Beziehung = Die emotionale Bindung mit Sex und körperlicher Nähe. Dies ist der Raum, in dem sexuelle Bedürfnisse ausgesprochen und gelebt werden können. In der Freundschaft gibt's vielleicht die Gespräche, aber nicht den Sex und im "One Night Stand" nur den Sex ohne die Gespräche. Dafür hängt aber an der Beziehung (der Zweierbeziehung) meist noch ein langer Rattenschwanz von überfordernden Erwartungen, Monogamie versprechen usw.
  • Beziehung ist mehr als Zweierbeziehung. Gerade bei engen Freundschaften kann der Wunsch nach "mehr" entstehen. Und die Angst durch Aussprechen des Wunsches die Freundschaft zu verlieren. Genauso kann eine Verliebtheit, wenn schon nichts "richtiges" daraus wird in einer guten Freundschaft enden.

Vaginaler Sex

Wie kann man mit einer Frau vaginalen Sex haben, wenn sie noch Jungfrau ist, ohne ihr weh zu tun?

  • Warum vaginaler Sex? Es gibt viele andere Spielarten.
  • Nimm dir viel Zeit, Gleitgel und lass sie die Geschwindigkeit steuern.
  • Bei mir hat es kaum und nur sehr kurz wehgetan...
  • mein Tip: viel, langes ganz-Körper-bezogenes Vorspiel, also nicht denken,die Brüste sind wichtiger als der Bauch, Fuß und Hals...
  • Genau. "Warte" einfach, bis sie danach schreit penetriert zu werden.
  • Oh Gott, ist das hier Parodie oder Ernst? Ich finde allein die Konstruktion von "Vorspiel" und "Nachspiel" himmelschreiend. Warum sollte Penetration das Hauptding des Sex sein, obwohl gerade das den Frauen am wenigsten Lust verschafft? Hier zeigt sich, dass wir in einer männlich dominierten Gesellschaft leben: Penetration ist eine einfache Form für den Mann, den Körper der Frau zu benutzen um sich zu befriedigen. Geschlechtsverkehr bedeutet für die Frau wiederum teilweise Schmerz (der akzeptiert wird!), Angst vor Schwangerschaft, teilweise Passivität (durch gesellschaftliche Vorstellungen beigebracht)... Das soviele Frauen das trotzdem noch mitmachen zeigt, wie wirksam gesellschaftliche Unterdrückungsmechanismen sind. Vaginaler Penetrationsverkehr ist zum Kinderkriegen da und sonst nix! Oder doch? Na ja, zumindest micht mehr als eine Form von Hautkontakt.
  • Wenn ein Mann in mich eindringt, ist das für mich tiefere Lust, tieferes Verlangen, den Anderen in mir aufzunehmen. Durch die Klitoris bin ich schneller befriedigt, zumindest meine Triebe. Aber wenn ich mich mit einem Menschen vereinige geht das tiefer in den Körper, in die Seele.
  • Ich finde es fragwürdig zu fragen, wie Sex praktiziert werden sollte! Sex ist bestimmt bei KEINER Frau gleich. Deshalb erzeugt es nur Druck, wenn ihr Sachen schreibt wie: 1) benuzt unbedinngt viel Gleitcreme oder 2) Vagnialer Sex ist nur Unterdrückung der Frau (sich zeit lassen und miteinander kommunizieren ist bestimmt nicht verkehrt ;-) )

Darf ich mich meinen Trieben hingeben...

oder muss man immer denken/reflektieren, was ich tue?

  • Wenn du das kannst, bewundere ich dich... Mein Über-Ich will oft beim Sex mitmischen und mir ein schlechtes Gewissen machen.
  • Nicht die ganze Zeit denken, fühlen! Oft muss ich danach über das lustige Bild, das man abgegeben haben muss, lachen! :)
  • Was sind Triebe? Sind sie naturgegeben oder welt.auch gesellschaftlich konstruiert oder überformt? Wenn sie letzteres sind, macht es sicher Sinn, darüber zu reflektieren, da sich z.B. auch gesellschaftliche Machtstrukturen in "Trieben" wiederfinden könnten.
  • Ich finde reflektieren wichtig. Was sind das für Gefühle, die ich habe? Geht es mir nur um mich oder auch um die anderen beteiligten Personen? Geht es allen gut? Das muss aber nicht "immer" sein. Während ich mit einer anderen Person schlafe, kann ich ruhig auch mal abschalten. Aber danach darüber nachzudenken, nachzufragen, ob es für alle schön war, finde ich schon wichtig.
  • Da Sex nicht nur Auswrikung für einen selbst hat, sollte man auf jeden Fall nicht nur seinen Trieben Lauf lassen; vorher nachdenken! Bsp.:
    • Auswirkung auf Umstehende: Respektieren, dass z.B. andere Sexualität in der Öffentlichkeit stört¹
    • Abmachung en mit Partner (Treue/freie Liebe/Polyamorie) mit in Entscheidung einbeziehen
    • Verhältnis zum Sexualpartner
    • Auswrikung auf Dritte (mit dem Freund der Freundin...)
  • Ich kenne das Problem. Insgesamt ist Reflektion schon wichtig, aber wenn man sich während des Sex zu viele Gedanken macht, hemmt das meißt eher (so kenne ich das zumindest) und das ist letztendlich für beide/alle Beteiligten nachträglich. Im Idealfall reflektiert man (v.a. auch davor und danach!) gerade soviel, dass es nicht hemmt, man aber lernt (z.B. leicht abwehrende) Bewegungen des Anderen (irgendwann auch unterbewusst) zu deuten und entsprechend zu reagieren.
  • zu ¹: Ich finde es krass unterdrückend nur "normale" Sexualität (Mann + Frau?) in der Öffentlichkeit zu dulden. Und sich als Mann/Mann oder Frau/Frau, 3er, 4er Päärchen zu denken: das stört andere - darum lassen wir das.

Ich habe neulich ein gutes Buch gelesen ...

es ist von Holger Schenk und heisst "Individuelle Lust. Gegen die Macht des definierten Sex". Es dekonstruiert Geschlechterrollen und Sex-Normen anhand von Vergleichen unterschiedlicher Gesellschaften und Zeitepochen. Wenn jemand möchte, kann ich es mitbringen. Bemerkenswert fand ich u.a.

1. dass Schenk kritisiert, dass Sexualitäten heutzutage in Schubladen konstruiert werden und Leute, die sich für offen und experimentierfreudig halten, von einer Schublade zur nächsten hüpfen, ohne in sich hineinzuspüren und abzuwarten, was von ihnen herauskommt.

2. dass er die Grenze zwischen Sexualität und Nicht-Sexualität dekonstruiert und somit alles mögliche sexuell/nicht-sexuell sein kann. Es kommt auf das subjektive Empfinden an.

  • zu 1) Interessant fand ich die Überlegung, ob ob in Zeiten, in denen Sexualität weitgehend tabuisiert war, Menschen ihre Sexualität eher aus sich heraus finden konnten als heutzutage mit allegegenwärtigen Bildern -> Porno-Zeitalter
  • Führt tabuloser Sex zu Leistungsstress?
  • zu 1) das mit diesem Hineinspüren finde ich wichtig, wenn ich was anderes möchte , ob da was von innen kommt, das dem zustimmt.
  • Ja, bring mit!
  • Hab auch mal son buch über Tantra-Sex gelesen.. weiss nicht mehr genau um was es geht.. glaub auch so mit sinnlichem Sex und nicht einfach ficken-Orgasmus-fertig (ev. noch lesenswert)

Wie kriege ich mein Bedürfnis nach Nähe erfüllt...

ohne mich "klassisch" nach Freund oder Freundin umzusehen? Geht das nur, wenn meine Umfeld sich auch mit queer-feminist. Themen / andere Beziehungsformen auseinandergesetzt hat?

  • Reden und sich für den anderen interessieren ist ja auch schon eine gewisse Nähe (... gleiche Ansichten, Hobbys ...) Es kann sich immer mehr entwickeln!
  • Eben, was den obigen Punkt angeht... Also vielleicht gibt es da nur diese Möglichkeit, weil alle anderen die Sache dann zu ernst nehmen könnten. Allerdings kannst Du ja auch jemanden, der sich noch nicht damit beschäftigt hat, für Queer-Theorie begeistern. Reden! Reden! Reden!
  • Es wird immer Leute geben, die bei Gefühlen immer "geh aufs Ganze" spielen wollen.
  • Darf man in der emanzipatorischen Bewegung überhaupt noch "herkömmlich normal" sein?
  • Wenn "herkömmlich normal" sexistisch und frauenverachtend meint, dann nicht. Wenn "herkömmlich normal" meint, dass Menschen auf ihre eigenen Bedürfnisse und die der anderen beteiligten Personen achten, ohne sich alles vorschreiben zu lassen, dann schon.
  • Um das Bedürfnis nach Nähe erfüllt zu bekommen, ist denke ich, kein Umfeld nötig, das sich mit queer... / anderen Beziehungsformen snderlich auseineandergesetzt hat. Zumal es ja auch innerhalb der "herkömmlichen Beziehungsformen" die (abwertend) als "herkömmliche Beziehung" bezeichnete gibt. Darunter fällt ja auch eine nicht als "herkömmliche Beziehung" bezeichnete Beziehung zu einer/m FreundIn (freundschaftlich) mit sexuellen Kontakten.
  • Die Frage ist ja auch, ob sich da Leute finden, die das ähnlich sehen und empfinden -> allerdings ist die Unterscheidung körperliche / andere Nähe noch genauer zu bestimmen. Seelische Nähe kann man ja mit Freund/innen haben. Körperliche und seelische Nähe: beides zusammen und da möchten viele dann doch eine Partnerbeziehung?
  • Diese Problematik stellt sich mir auch des öfteren. Gerade in meinem Studiengang und Studiumsumfeld sind die meisten Menschen da sehr konservativ eingestellt. Ich habe oftmals den Eindruck, dass sie (oft auch unbewusst) 'freiere' Vorstellungen von Nähe, Kuscheln, Sex abstempeln/verwerfen, weil sie sonst selbst zu sehr aus der Norm fallen würden. Solche Ansichten haben extreme Massendynamiken...
  • Somit ist es zu einem gewissen Grad (glaub ich) schon wichtig, sich in den richtigen/offeneren Personenkreisen zu bewegen, um solche Vorstellungen umsetzen/ausleben zu können.
  • ... oder die Gesellschaft verändern :-)

Rollen / Kommunikation

Stichworte:

Klärung von Rollen
Verbale Kommunikation beim Sex
Was „darf“ eine emanzipierte Frau (... ein kritisch denkendes menschliches Wesen?)
Erstmal ungeachtet „Wer?“, „Was?“, „Wieviele?“ usw ... ab einem bestimmten Punkt ist ständige Reflexion vielleicht hinderlich.
Im besten Fall wird ein nettes Woody Allen-mäßiges Gespräch daraus.
Dann hätte der imaginäre Beobachter wenigstens was zu lachen.
  • Darüber hinaus ist Mensch wahrscheinlich sowieso einfach nur am glücklichsten, wenn die Sachen, die gemacht werden mit Menschen geschehen denen es ebenso geht.
  • zu einem gewissen Teil werden dann Klischees der Gesellschaft übernommen, denn daher kommen wir, da sind wir.
  • sind dann Menschen, die gesellschaftlich tabisierte Sexpraktiken (z.B. Sadomaso etc.) die Emanzipiertesten?
  • Ich finde Reden wichtig. „Das Reden zerstört den Moment, aber aus den zerfallenden Teilen kann etwas neues besseres entstehen.“ (Matthes, „Worte der Liebe“) Reden schafft Vertrautheit und und Nähe.
  • Das Ding ist nur die ständige Scham dabei, hinterher – stimmt schon, es ist meistens Erleichterung, aber das Gefühl, dass mein Kopf platzt ist dennoch massiv.
  • Den Mund aufmachen ist wichtig und schwer, aber auch essentieller Bestandteil von Erotik (als etwas, dass über mechanischen Sex hinausgeht.
Wirkliche Lust besteht nicht nur im Gefühl (Illusion?) des Einsseins, sondern auch in der Entdeckung von Unterschieden und im kreativen Umgang damit.
  • Kommunikation ist meiner Meinung nach wichtig und notwendig, da mensch anderenfalls Gefahr läuft, einfach gesellschaftliche Stereotypen zu reproduzieren anstatt individuelle Wünsche und Bedürfnisse auszuleben.
Kostet zwar Überwindung, lohnt aber.
  • Tips wie man diese Überwindung erleichtern kann finde ich hilfreich – dass es sinnvoll ist weiss ich.
  • 22h?

Sex unter Gleichberechtigten. Bedeutet das gleiche Beteiligung am Geschehen?

  • Geschehen? Automatismus oder Aktivität?
  • Nö!
  • Natürlich nachdenken!!! Wer nicht nachdenkt über die Zeichen, die die Sex-Partner_innen geben, kann schnell Grenzen überschreiten. Gleiche Beteiligung muss aber nicht sein. Aber alle müssen die Möglichkeit haben ihre Rollen neu zu definieren &nicht auf eine Rolle festgenagelt werden.
  • Hauptsache die Wünsche/Bedürfnisse werden kommuniziert. Aber wie mache ich das? Vorher alle Eventualitäten durchdiskutieren? Dabei "Stop" und in eine Metaebenendiskussion wechseln? Einfach passieren lassen und hinterher drüber reden? Erscheint mir alles nicht ideal...
  • Ja, irgendwie nicht ideal. Dann doch lieber ins Kino.

-> Über alles reden, "Stops" sind ok, lachen beim Sex ebenfalls. Nur in Pornos (realitätsfremd) wird 3h ohne Unterbrechung gefickt. MERKE: Selbst hier ist die Szenerie vorher abgesprochen, daher bedarf es keines Redens.

  • Ich glaube auch, ruhig vorher einen Wunsch äußern, dann immer "stop" sagen, wenn du es willst. Auch für deinen Partnie zu Liebe. Aber dann auch einfach mal abschalten und ein wenig fließen lassen.

Aktiver Part, Passiver Part, Weitere Rollen

Ich denke, dass Mensch leicht die Rolle einnehmen kann, die noch nicht besetzt ist. Wenn beide in der selben Rolle sind, entstehen meiner Meinung nach Spannungen, die wiederum zu Veränderungen führen.

  • Sind Rollen festgelegt? Wenn beide zu mehreren Rollen fähig sind, muss es keine festen Rollenbilder geben.
  • Rollen sind nicht festgelegt. Aber es gibt sicherlich Tendenzen bei Menschen oder in Beziehungen. Was also wenn zwei eher passive Leute aufeinandertreffen, kann einer dann wirklich "leicht" die andere Rolle einnehmen?
  • Einfach die passive Person auf "Entzug" setzen. Dann kommt sie schon von allein, wenn der Hunger zu groß wird.
  • Klingt mir zu verallgemeinert! Ich denke, dass alle die Möglichkeit haben sollten, Rollen immer nue zu wählen und wenn 2 Vorlieben gerade nicht zusammenpassen, sollte mensch sich nicht zwingen jetzt trotzdem mit dieser Person Sex haben zu müssen.
  • Ich mag nicht nur die geschlechtlichen Zuweisungen von angeblicher "Aktivität" und "Passivität" nicht, sondern auch die Wertungen, die damit verbunden werden, d.h. ein "aktiver" Part beim Sex eine positive Bewertung erfährt (Männer* sind tolle Kerle, wenn sie eine Frau erobern und befriedigen können, Frauen* müssen den "aktiven" Part übernehmen wollen, um auch als emanzipiert zu gelten) und "Passivität" als negativ, als Opferrolle, als sich benutzen lassen, für feministische Frauen ganz ungeeignet. Aber ich sehe das nicht so, es muss keine Opferrolle sein, sich z.B. in die Position einer Genießerin zu begeben.

(* damit sind keine biologischen Kategorien gemeint, sondern soziale Konstrukte mit Auswirkungen auf gelebte Realitäten)


Darf eine emanzipierte Frau beim Sex passiv sein/sich bedienen lassen?

  • Schön, dass die Frage aufkommt. Den Widerstreit habe ich auch immer mit mir selbst. Zum einen gilt es ja (na ja, für mich) die herkömmliche Rollenverteilung aufzubrechen (d.h. Mann: aktiv, Frau: passiv). Aber Folge kann ja nicht nur sein, die Rollen zu vertauschen, hin zu Frau: aktiv, Mann: passiv. Ziel muss in meinen Augen eine Auflösung von geschlechterspezifischen Erwartungen -> Verhalten sein. Mensch verhalte sich nicht zwangsläufig gemäß seines Genders, versuche sich aber auch nicht auf "Teufel komm raus" entgegen seines Genders zu verhalten, sondern verhalte sich so, wie es einem gerade gefällt. Deckt sich das mit den konventionellen Geschlechterrollen: ok, tut es das nicht, auch ok. Ich denke, frau darf sich nicht zu stark von dem Willen, emanzipiert zu sein, dominieren lassen.
  • Sehe ich genauso. Emanzipiert zu sein, bedeutet ja nicht, das Gegenteil zu tun, sondern selbst zu entscheiden, was mensch tun möchte. Problematisch könnte die Frage an dem Punkt werden, dass wir unsere Sozialisation nie rückgängig machen können, wir können nicht wissen, wer wir wären, wenn wir anders sozialisiert worden wären. Viel wichtiger als politisch korrekter Sex* ist sicherlich, wie mensch sich dabei fühlt.

(* sofern dieser Sex überhaupt wichtig ist)

  • Ich kenne fast nur Sex zwischen zwei Frauen, d.h. hier gibt es oft Partnerinnen, wo eine immer aktiv, eine immer passiv ist. Genausogut kann es vorkommen, dass die Rollen bei jedem Sex/während des Sex wechseln. Warum kann das bei Heterosex nicht genauso sein?
  • Frage falsch gestellt. Eine emanzipierte Frau sollte alles duerfen, was sie eben grad will.

Macho sein

  • Mein Partner will nicht "Macho" sein, nicht so tanzen, flirten und co... Ich finde das schade
  • Wenn du deine Vorlieben kennst, kannst du sie auch kommunizieren. Menschen entwickeln & wandeln sich, aber es liegt bei ihm zu entscheiden, wie er agieren, reagieren, leben möchte. Je nach Beziehungsform, Offenheit & Ehrlichkeit ergeben sich weitere Möglichkeiten...
  • Ich finde es aber auch wichtig sich darüber Gedanken zu machen, woher solche Vorlieben kommen. Warum will ich, was ich will?
  • Unterdrücke ich mich nicht selbst, wenn ich immer danach strebe pc zu sein?
  • Unterdrückung entsteht, wenn du nicht frei & unbeeinflusst ohne negative Konsequenzen frei für dich wählen kannst. Lebe aus, was dir gefällt!
  • Jeder Mensch steht drauf mal aktiv/mal passiv zu sein und das ist unabhängig vom Geschlecht!
  • Wenn "Macho-sein" als Spiel abgesprochen ist und kein Dominanz-Gehabe, kann auch ein Nicht-Macho an dieser Rolle Spaß haben.
  • Zu dem Punkt "Unterdrückung entsteht...":
Ich glaube, dass wir nie frei und unbeeinflusst entscheiden. Die Frage ist nur, ob wir uns von unseren Eltern und Bekannten und den Filmen und Büchern, die wir lesen/sehen, beeinflussen lassen oder, ob wir auch darüber nachdenken, was wir tun und woher das kommt.
Ich glaube, dein Freund, der kein "Macho" sein will ist toll. Probiert doch Dinge zu finden, die für euch beide schön sind und euch zu verstehen. Das geht über political correctness hinaus und erfordert Phantasie und Einfühlungsvermögen.
  • und was, wenn ich gerne dominiere/unterdrücke?
  • Warum tsut du dies gerne? +Tust du`s wirklich gern?

Unterdrückung

  • „Sie“ bläst „Ihm“ einen -> ist das Unterdrückung der Frau?
  • ANARCHIE: jeder darf machen was er machen will, das ist ja dann die Entscheidung d. Handelnden (also der Frau), oder?
Aber so Prostituierte, die das machen müssen tun mir schon leid.
  • Ich nehme den Penis meines Partners gern in den Mund.
  • Da wir aber nicht in einer herschaftsfreien Welt leben, wäre es glaube ich super wichtig der/dem Partner_in zu signalisieren, dass nichts von ihm/ihr erwartet wird, was ihr/ihm nicht gefällt.
  • Ich würde nicht sagen, dass es prinzipiell ünterdrückerisch ist als Frau einen männlichen Penis abzulecken. Die 2te Antwort lässt meines Erachtens außer Acht, dass Menschen nicht einfach frei entscheiden (können), sondern dass ihnen immer gesagt wird, dass sie für männliche Lustbefriedigung zuständig sind. Ich glaube eine solche Rollenzuschreibung lässt sich nicht einfach mal so abstreifen.
  • 46? „zuständig“?? Aber einem selbst gefällt es ja (als Frau) sowieso am Besten wenn es dem Partner gefällt. -
  • Da ich glaube, dass OralVerkehr von beiden sozialen Geschlechtern gleich oft beim Partner praktiziert wird, sehe ich im „Blasen“ keine Unterdrückung.
  • Wenn frau es will gibt es kein Problem. Wenn Sie es nicht will sollte sie es dem Partner mtteilen. Wenn ein Partner vom anderen etwas verlangt, was dieser nicht will, dann müssen diese sich fragen, ob die Beziehung richtig ist.


Unsicherheit

Unsicherheit – weil du nicht so oft/ interessanten/ wilden/ ... Sex hast, wie es in der Gesellschaft als „cool“ angesehen wird. Wie entsteht dieses Bild von „richtiger“ Sexualität? Wie kannst du das Bild selbst bestimmen? Hängt deine Unsicherheit mit diesem Bild zusammen? Wie bearbeitest du deine Unsicherheit?

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  • Ich glaube nicht, dass sexuelle Unsicherheit von der Gesellschaft gemacht ist. Zumindest nicht nur. Sex ist erstens ein sehr starker Trieb, der einen auch mal die Kontrolle verlieren lässt – was Unsicherheit fördert. Und zweitens kann Sex von Krankheiten bis zur Schwangerschaft ein Leben extrem verändern.
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  • Also ich bin nicht unsicher weil ich mich/ meine Beziehung mit nichts vergleiche. Andere können einem doch egal sein, beim Sex geht’s nur um genau 2 Personen und um ihre Bedürfnisse.
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  • Warum nur 2 Personen?
4 (zu 3)

Gute Frage! (Also ich kann da nicht aus Erfahrung sprechen, aber so aus Toleranz-Gründen)

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Ja ich meine in einer Beziehung, sorry. Also ich mein so bei normalen Sex mit einem Partner den man lieber braucht man meiner Meinung nach nicht unsicher sein.

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Ich finde es schon schwierig Bedürfnisse zu äußern, wenn die von „normalen“ Sex abweichen. Das kann ja ganz schön zu lasten der Beziehung zueinander gehen, sich plötzlich als „pervers“ zu outen.

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Absolut richtig. Außerdem kenne ich die Unsicherheit eben aus Gründen des Genügens dem/der PartnerIn gegenüber. Da hilft nur reden, reden, reden und vorher die passende Atmosphäre und Geisteshaltung bei der anderen Person fördern. Also dass ich nicht ausgelacht werde, sondern ernst genommen. Wenn das nicht der Fall ist, rede ich nicht drüber und fange vielleicht mir kritische Gedanken über diese Beziehung zu machen. (zu 1) - Ich habe ein großes mit, sexuelle Unsicherheit zu „biologisieren“ . Überhaupt Sexualität zu „biologisieren“, als naturgegebenen Trieb, finde ich problematisch. Da wird dann meist mit Fortpflanzungsbedürfnis als Trieb – Ursache argumentiert, was dann dazu führt dass nur heterosexuelle Handlungen, die zu Schwangerschaft führen können, damit als „natürlich“ erklärt werden können und somit jede anderen Sexualität in den Bereich des „unnatürlichen“, „nicht-normalen“ rutscht, weil da ja die Handlungen an der Quelle des Triebes vorbeigehen. Daher gehe ich lieber von Sexualität als etwas aus, dass diskursiv hergestellt ist. Und ich finde natürlich ;) auf jeden Fall, dass sexuelle Unsicherheit gesellschaftlich hervorgebracht wird. Der Druck auf Männer Frauen „erobert“ haben zu müssen, um ein „echter“ Mann zu sein. Der Druck eine sexuelle Leistung (sie!) vollbringen zu müssen, „gut“ zu sein, eine Befriedigungsgarantie liefern können zu müssen/ zu funktionieren (wie eine Maschine mir einem Ein/Aus- Knopf), bloß nicht „zu früh“ (Wann ist denn richtig? ) zu „kommen“ (Was genau ist das?) und die ganze Scheiße und dabei dann am besten noch gut auszusehen.


Oft wird mir "vorgeworfen" ich sei zu verkopft

Gerade wenn es um Romantik und Sexualität geht. Wenn mir das von Menschen vorgeworfen wird, deren Grenzen ich nicht verletzen möchte und bei denen ich deshalb über mein Verhalten reflektiere, macht mich das hilflos.

  • Das kenne ich.
  • Ich fühle mich oft selbst so und empfinde das als unangenehm.
  • Wie politisch ist Sex?
  • Ich finde es überhaupt nicht schlimm "verkopft" zu sein. Hast du vor etwas Angst oder hast du eun großes geistiges Interesse an Romantik und Sexualität, die dich nachdenken lässt? "Vorwurf" klingt böse. Mit jemanden, der mir vorwirft verkopft zu sein würde ich nichts anfangen wollen. Vielleicht sind die anderen ja auch kopflos?
  • Ich kann mir vorstellen, was mit diesem "verkopft" gemeint ist. Wahrscheinlich würde doe Person sich wünschen, dass due etwas spontan ausprobierst. Zu einer Sexualität unter Partnern, die sich länger kennen, finde ich gehört es dazu, sich darüber auszutauschen. Jeder hat eben eine andere Persönlichkeit und Erfahrung. Deshalb kann man es sowohl aussprechen, dass diese Aussagen einen verletzt, als auch den anderen genauso fragen was er/sie meint, um diese beidseitigen "unguten" Gefühle in was anderes überzuführen.
  • Ich bin im Kopf so romantisch, dass es mich unfrei macht, unflexibel, warum sollte Sex bei Kerzenlicht besser sein als im Stehen am Fenster?
  • Ich verliere durch die Kopflastigkeit manchmal die Triebbefriedigung. Und die ist mir bei Sex eigentlich wichtig.
  • Verstehe ich nicht. Bei mir kommt Sexualität auch aus dem Kopf. Ich kann gar nicht zwischen "Kopf" & "Trieb" unterscheiden. Diese ganzen Dualismen sind doch eh patriarchale Scheiße.


Sex Orgie

Ich bin enttäuscht darüber, dass wenig konkrete Fragestellungen zur sexuellen Orgie kamen. (dass alles eher allgemein bzw. sehr theoretisch gehalten wird) – Weiter bin ich enttäuscht darüber, dass konkret kaum Gegenthemen zu Heteronomativität kamen. Interessant wäre es zu diskutieren. Wie stellen es sich die Initiatoren der sexuellen Orgie vor, wenn plötzlich homosexueller Sex gewünscht wird. Ist das vorgesehen oder würde das die Orgie sprechen? Was passiert wenn Treansgender Personen mirmachen? Was, wenn Leute nur zuschauen? Was bei Menschen, die Self-Sex praktizieren? Ist das OK oder wird es sanktioniert? Ab welchem Alter darf man mitmachen? Stellt jemand an der Tür, der die Leute nach 20 Min. nicht mehr ein lässt, damit der Sex ungestört ablaufen kann? Werden Menschen hinausgeschmissen die nicht nackt sind? Ist absolutes Nacktsein nicht eher kontraproduktiv? Ab wann heißt es „Nein“- reicht Kopfschütteln, muss vorher gefragt und zugestimmt werden oder ist stillschweigen ein „Ja“?

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Ich befürchte auch, dass sich hier evtl. nicht genug Gedanken gemacht wurde. Das Ganze kann ziemlich „in die Hose“ gehen. Es ist vielleicht nicht völlig verkehrt, dass mit Menschen zu machen, die sich schon ein wenig kennen, eher in „geschlossener“ Gesellschaft.

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Finde ich auch interessant die Fragen. Kann sich von den PlanerInnen auch jemensch dazu äußern?

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Wie werden Leute aufgefangen, denen es danach schlecht geht?

Sex Orgie II

Ich will kurz was zu jener Orgie schreiben: Meine Kritik beim kurzen darüber nachdenken ist, dass die Inhalte so unklar sind. Für wen ist das? Was kann abgehen? Welche Wünsche haben die Leute? Nur für Partner? In der Tendenz finde ich den Versuch Sexualität von der Privatsphäre in solchen Raum zu transportieren ok. Wenn sich Leute in der Turnhalle unter der Decke küssen und ablecken wird kein Gegen-AK gemacht, aber wenn sie es öffentlich in einem Raum machen schon.

  • Ja das ist aber auch ein kleiner Unterschied...
  • Für die Leute, die sich das trauen und sich mit diesem Angebot wohlfühlen, finde ich das ok. Es gibt ja auch Orgien mit längerer Vorbereitung, wenn man zwar gerne möchte, aber eben Vorbereitung braucht-bzw. kann sich ja erstmal längere Zeit mit Themen auseinandersetzen und in der Zwischenzeit die anderen "machen lassen".
  • Vorbereitung klingt zweckorientiert... es kommt darauf an, die Menschen zu kennen und kann sich Sympathie und mehr entwickeln... ohne Plan.
  • Ich hätte Angst vor Ablehnung, wenn ich (Frau) auf der Orgie eine andere Frau frage, ob sie z.B. küssen will.


Sex Orgie III

(Eine) Problematik der hier geplanten Orgie: Es ist unwahrscheinlich, dass alle ihre (noch) vorhandenen Vorstellungen/Prägungen davon, mit wem sie schlafen würden (Aussehen/Geschlecht/Alter/...), so plötzlich überwinden/ignorieren können. Somit würden wahrscheinlich Einzelne verschieden behandelt (zum Positiven/Negativen); und somit auch Einzelne gekränkt...

  • Auch in einer Anarchie wird es Vorstellungen/Prägungen geben, oder endet mit der Herrschaft auch die Persönlichkeit?
  • Ja
  • Das Problem, dass Menschen aufgrund von bestimmten Eigenschaften, auch Körperlichen!, bevorzugt werden, ist in einer Orgie, wie die vorgeschlagene doch bestimmt noch größer, weil Menschen aufeinander treffen, die sich unter Umständen gar nicht kennen. Dann doch lieber mit Orgie mit Freunden u. Bekannten?!
  • Ich hätte Angst auf dich zuzugehen und dich zu fragen, ob du an einer Orgie teilnimmst. Das ist mir zu nah -> lieber (verklemmt) anonym.
  • Sehe da auch diese große Problematik: entweder fremd: Swinger Club oder bekannt: Bekannten/Freundeskreis. Am besten ist jedoch keine Planung, sondern, wenn es sich von selbst ergibt (Habe das aber in einem "Orgien-Rahmen" eh noch nicht erlebt.)

Eifersucht

Hat meines Erachtens in der Regel zwei Ursachen:

- mangelndes Selbstwertgefühl (temporär)

- Verlustangst


zur Verlustangst:

  • Es gibt da ein gutes Gedicht von Jörg Pfennig, welches ich leider vergessen habe, aber die Essenz war für mich:
"Entweder gibt es keinen Grund eifersüchtig zu sein, oder es ist zu spät." Ich finde das sehr bemerkens- und nachdenkenswert!


zum Selbstwertgefühl:

  • Ich verdeutliche mir, dass alle Menschen Stärken und Schwächen haben. Meine Stärken + Schwächen ändern sich nicht durch den "Verlust" eines liebgewonnenen Menschen. Andere Menschen haben andere Stärken. Bedürfnisse + Interessen an anderen Menschen verändern sich. Beziehungen zwischen Menschen ändern sich. Das ist normal und auch gut so. Dies sollte eineN nicht daran hindern eigenes Verhalten zu reflektieren, aber alle Dinge sind Veränderungen unterlegen, auch wenn ich manchmal nichts dafür kann. Und es stellt sich die Frage: möchte ich das Beste für mich oder für die andere Person? Vielleicht ist es ja besser so... (mal 'ne andere Perspektive denken)


Eifersucht = Das Gefühl, dass die Verbindung gefährdet ist, wird oder werden könnte.

Enorme Angst vor Einsamkeit, das Gefühl, keinen weiteren Partner zu finden, führt zum festhalten, auch wenn es nicht mehr schön ist.


Mit viel Vertrauen ist Eifersucht überwindbar (z.B. es ist mit PartnerIn ausgemacht, dass sie/er vor meinen Augen jemensch anderes küsst) -> macht eifersüchtig, gefährdet die Beziehung aber nicht

Anarchismus und Sexualität


Gibt es einen Menschen, der zu einem passt...

mit dem man zusammen gehört? Dem man treu sein möchte? Und alles ist nur die Suche nach diesem Menschen?

  • Ich sage Nein. Es kann zu einer Zeit einen Menschen geben, auf den ich mich voll und ganz einlass, aber Schicksalsliebe kann es für mich nicht geben. Menschen, die das suchen, rennen von einer kurzen Anfangszeit Bezeihung in die nächste. Manche Menschen passen besser zu einander als andere, zwischen manchen knistert es, aber soll ich glauben, dass mein Fraund für mich vorherbestimmt ist, was, wenn ich mich während ich ihn liebe in einen anderen verknall. Mein Schluss daraus war -> mit dem Menschen mit dem ich zusammen bin verbindet mich Zeit, Wissen über ihn, Lösuingen zu uns... Über den "Neuen" weiß ich nicht, wie könnte ich ihn lieben...
  • Ich denke auch, dass es viele/mehrere Menschen gibt die potentiell zueinander/zu einem passen. Je nachdem kann es wohl auch passieren, dass man auf Grund von gemeinschaftlichen Erlebnissen/... So eine Verbindung zueinanderaufbaut, dass kein anderer Mensch diesen "erstzen" könnte (insofern kann ich auch monogame Beziehungen nicht komplett verneinen). Dann ist dieser Mensch für dich einmalig, aber nicht wegen irgend einer transzendenten "Vorbestimmung".
  • Keine Ahnung, ob es sowas geben kann. Aber wenn, werde ich den Menschen sicher zufällig begegnen. Wenn aber der Mensch nicht existiert, dann kann ich mit dieser Suche danach das Leben vergessen. Mein Fazit: Lebe diene Gfühle + Triebe jetzt mit allen Menschen mit denen du es willst.
  • Nicht meine Meinung. Mein Fazit -> Bemühe dich jetzt um deine/n Mitmenschen. Wer Medizin studiert, kann kaum gleichzeitig Jura stemmen..., es mit der gleichen Intensität studieren und hängt dann zwischen den Stühlen.


Wünsche / Ekel / „Nein“ sagen

1

Wenn ich selbst von einer bestimmten sexuellen Praxis sehr erregt werde (z.B. Oralverkehr) mich aber gleichzeitig selbst ekeln würde, Sperma in den Mund zu bekommen, wie kann ich dann meine/n Sexualpartern/in bitten, genau das zu tun? (ohne mich dabei schlecht zu fühlen, unabhängig davon, ob mein/e Sexualpartner/in das sogar mag)

2

Und wenn es dein Gegenüber nicht ekelt? Er/sie kann doch auch „Nein“ sagen. Ist die Frage: Warum schäme ich mich für meine Wünsche?

3

Ich differenziere da: es ekelt mich nicht, eines anderen Mannes Penis/Sperma in den Mund zu nehmen, ich habe aber kein Bedürfnis danach. Mal ausprobieren ist ne sinnvolle Sache, denke ich, aber vielleicht erstmal bei einem selbst anfangen? Ich find's nicht ekelig. Tip: vorher Ananassaft trinken, Rauchen und Knoblauch meiden :-)

4

Man kann sich an vieles gewöhnen.

5

Muss alles gerecht sein, fair? alternativ: aus Liebe schenken.

6 (zu 1)

Ja, ich denke auch, dass jedeR lernen muss „Nein“ zu sagen, bzw. selbst zu erkennen, ob mensch etwas will oder nicht und dementsprechend zu handeln. Vielleicht sollten Szenen in Filmen lieber mal von der Kommunikation darüber, was will ich und was nicht beim Sex, handeln und darstellen, dass jeder unterschiedliche Vorstellungen ahben kann und nicht alles so reibungslos wie im Film läuft.

7(zu 6)

Manchen Menschen fällt es sehr schwer, „Nein“ zu sagen. Das ist, finde ich, ein gemeinsames Problem und nicht nur eines der Person, der das „Nein“ schwerfällt.

8 (zu 6)

Ich finde es immer schwierig zu fordern alle sollten doch lernen auch nein sagen zu können. Sollte die Forderung nicht vielleicht eher in die andere Richtung gehen: zu sagen es sollte gelernt werden eine Athmosphäre zu schaffen in der es einfach oder überhaupt erst möglich ist nein zu sagen und auch selbst sicher zu gehen, dass die Gegenüber auch wirklich alles ok findet, was gerade läuft (also auch mal selbst nachfragen).

Sexualität & Anarchie

1

Das anarchistische Element in der Sexualität sehe ich darin, nur die Sexualität in dem jeweiligen Moment zhu kreiehren, die ich gerne möchte... Das für mich ein Prozess, das heisst eine Entwicklung. Zu einem bestimmten Zeitpunkt möchte ich eine Sache probieren, an einem anderen Zeitpunkt etwas anderes. In der Außenwelt gibt es einen Markt der Möglichkeiten. Da kann ich mir anschauen, was es gibt. Dann entschein, ob ich davvon etwas testen möchte, oder es lieber „liegen lasse“. Ich habe festgestellt, dass es im Laufe der Jahre bestimmte Sexualpraktiken gibt, und ich finde, dass es manchmal fast einem ZWANG gleichkommt, auch bestimmte Dinge tun zu sollen. Wenn man es nicht tut, hat man Angst, als rückständig, prüde angesehen zu werden. Bzw. die Angst besteht viel mehr darin, dass man das nach einer bestimmten Definition vielleicht sogar ist, und dass man sich selbst verurteilt und vergleicht. Und sich einem Druck aussetzt bestimmte Dinge tun zu müssen, damit man sich selbst wieder als „normal“, „mit dem Lauf der Zeit gehend“ sieht. Deshalb finde ich es wichtig, regelmäßig zu schauen, ob ich überhaupt eine neue „PRAKTIK“ ausprobieren möchte, oder ob das nur äußeren Zwängen geschuldet ist. Oder daß man vielleicht sogar sexuell missbraucht wird, weil jemand anderes einen eigentlich erniedrigen möchte (nicht im Sinne von abgesprochenem Machtverhältnis!)


-Schauen was möchte ich-? -was wird an mich herangetragen von „außen“ (Umwelt, Markt, Partner, Medien)

2

In welchem Rahmen ist überhaupt eine selbstbestimmte(re) Sexualität möglich?

Eifersucht zu erleben ist zwiespältig:
- Sie zeigt, daß ich geliebt werde
- Sie engt mich ein, indem mir signalisiert wird: Ich will Dich für mich alleine haben.


Ich finde die Anfangsthese toll auf den Punkt gebracht! Für mich ist Eifersucht (zumindest die auf Sexualität gerichtete) ziemlich unsinnig und destruktiv.
Problematisch wird es jedoch, wenn die 'Verlust-Angst' begründet ist... (aber da ist die entsprechende Eifersucht ja auch nicht mehr nur auf Körperlichkeiten beschränkt)


erogene Zonen dekonstruieren

  • Ich denke, dass erogene Zonen tatsächlich nicht von Natur aus "da" sind, sonder, dass wir von der Gesellschaft lernen, bestimmte Erwartungen & Vorstellungen von/an unseren Körper + unsere Gefühle zu haben. Es ist sozusagen "willkührlich", dass bei Frauen Brüste sexuell erregbar sind und bei Männern nicht. Ich kenne auch Männer, die diese Erkenntnis so genutzt haben, dass sie sie verändert haben: Sie haben "geübt" ihre Brüste auch als erogen wahrzunehmen und dies in sexuelle Praktiken integriert und den Partner_innen so kommuniziert. Das funktioniert tatsächlich. Jetzt werden sie durch Stimulation an der Brust super erregt!
  • Stimmt, ist bei mir auch so :)
  • Mensch sollte sich immer wieder neu viel Zeit nehmen den Körper zu entdecken und wenn Partner gut kommunizieren merkt man wie besonders Menschen sind.
  • Aber ich habe nicht das Gefühl, dass dies ausschließlich sozial ist. Ich bin am Penis am meisten erregbar. Obwohl mir das oft unangenehm ist.
  • Ich denke auch nicht, das wir (ausschließlich) von der Gesellschaft anerzogen bekommen, wo wir erregbar sind. Letztlich ist es auch nicht so selten, dass Männer an der Brust erregbar sind. Das einzige, was ich diesbezüglich ebenfalls unterstützen würde ist - Dass jeder seinen Körper besser kennenlernen sollte, vielleicht entdeckt mensch dann auch noch mehr Zonen, an denen er/sie/es erregbar ist + kann dort die Erregbarkeit steigern. Aber dies hat sicher Grenzen. Denn vom Streicheln an der Wade würde ich sicher nicht erregt- egal wie lange ich das trainiere.
  • Ich denke schon, dass es möglich ist. Kommt ja auch drauf an, an welchen Kriterien du Erregung festmachst. Wenn eine Penis-Errektion das Zeichen dafür ist, ist ja logisch, dass das am ehesten bei einer Penis-Stimulanz eintritt.
  • Zu bedenken wäre außerdem, dass du ja nicht alleine deine Wade als erogene Zone konstruieren kannst. Wichtig ist ja auch, wie andere handeln/reagieren. Was wäre, wenn es einfach als sexy gilt, seine Wade zu entblößen? Wenn sich deine Partner_in erst als allerletztes traut, die Kleidung von deiner Wade zu nehmen? Sie/Er dich so dort streichelt, als wenn sie erwartet, dass do erregt wirst und diese Vorstellung auch bei ihr/ihm eine Erregung bewirkt?
  • Klar, Körper kennenlernen, den Körper anderer Personen kennenlernen, drüber reden und gegebenfalls dekonstruieren. Aber biologische Fakten lassen sich schlecht dekonstruieren, und nur zum Teil "umorganisieren" (durch's Hirn). Mensch hat an unterschiedlichen Körperregionen unterschiedlich viele Nerven, es gibt einfach Gegenden, wo es "besonders angenehm" ist. Bestes Beispiel: viele Tiere masturbieren, bzw. fassen sich im Genitalbereich an.
  • Hm, aber ich glaube, dass der Körper kein so festes Konstrukt ist; wie wir annehmen. Seine Betrachtung -> Deutung hat sich über Jahrhunderte verändert. Wer weiß, wie stark erogene Zonen (ob komplett/nicht?) konstruiert sind. So nimmt z.B. Judith Buttler auch nicht nur "gender", sondern auch "sex" als gesellschaftlich konstruiert an. (Hat sich mir aber auch nicht ganz erschlossen.)

Macht ein erfülltes Sexualleben lethargisch, faul und träge

...und bremst somit die Aktivitäten für eine andere oder für viele andere mögliche Welten? Sexentzug für Aktivisten wie für Fußballer vor dem Spiel...?

  • Denke es kommt doch sehr auf die Häufigkeit and Dauer an. man kann sich ja zwischendurch auch regekmäßig regenerieren -> Sprich die Pausen einlegen von sexuellen Aktivitäten, dass noch genügend Zeit, Raum und Lust für die Entdeckung anderer Welten bleibt.
  • Man muss halt aufpassen, dass man sich nicht nur mit Sex zufrieden gibt. Reisen + Bildung z.B. sind auch interessant, das kann man ja auch mit Partner zusammen machen.
  • Ich finde ein erfülltes Sexualleben macht bei vielen Menschen erst Ressourcen frei sich auch um andere Dinge als Sex zu kümmern. Sex macht wach, glücklich, entspannt.