Anti-Sexistische-Baustelle Renovierungs-Einladungs-Mail

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"Gerade auf Baustellen kommt es oft zur Reproduktion geschlechterstereotyper Arbeitsteilung und unangenehmen Situationen vor allem für Frauen*. Ziel ist es - auch und gerade in der Zeit der Renovierung - einen Raum zu schaffen in dem (geschlechtlich bestimmte) Herrschaftsachsen reflektiert und stückweise überwunden werden können. Weiter unten daher Anregungen für eine rücksichtsvolle, antisexistische Baustelle. [...]


Anregungen für eine rücksichtsvolle, antisexistische Baustelle

Unser Ziel ist es das Lokal zu renovieren und gemütlich zu machen, genauso wichtig ist uns aber auch, dabei etwas zu lernen, Spaß zu haben und uns wohlzufühlen. Alle sollen sich einbringen können und in ihrem Wunsch mitzu-machen/-arbeiten/-helfen/ und etwas zu lernen ernst genommen werden. Dies bedeutet vorallem auch, die Vorurteile gegenüber den handwerklichen Fähigkeiten von Frauen* außen vorzulassen. Kommunikation sehen wir als einen zentralen Aspekt, um ein Klima zu schaffen in dem sich alle respektiert fühlen, in dem es möglich ist (geschlechtlich bestimmte) Herrschaftsachsen zu reflektieren und stückweise zu überwinden und indem wir von- und miteinander lernen können.

Deshalb:

  • Erkenne Gender-Unterschiede und versuch die Unterschiede zu verringern statt sie zu zementieren/verstärken.
  • Sei dir deiner geschlechtlichen Sozialisation als Frau* bzw. Mann* bewusst und dem Wissen und den Fertigkeiten die du mitunter aufgrund dessen hast. Besonders bei handwerklichen und technischen Tätigkeiten werden Männer* und männliche* Kinder speziell gefördert und haben deshalb oft mehr Selbstbewusstsein und auch Wissen in diesen Bereichen. Wissen und Können haben aber nichts mit "angeborenem" Talent zu tun, sondern eben mit Lernen und Selbstvertrauen.
  • Überlege dir, ab und an auch mal bewusst Arbeitsbereiche auszusuchen, die nicht deiner üblichen (handwerklichen) Sozialisierung entsprechen.
  • Wenn du Tätigkeiten ausführst und dabei eine geschlechtertypische Arbeitsteilung reproduzierst, versuch dir dessen im Falle, dass sich dieses Muster nicht verhindern lässt, zumindest bewusst zu sein.
  • Setz nicht voraus, dass die Person mit der du sprichst die gleichen Informationen hat wie du, sondern sag klar wovon du sprichst, was du willst und mach keine gedanklichen Abkürzungen die Personen verwirrt zurücklassen.
  • Sei nicht arrogant und/oder angenervt nur weil du etwas kannst das andere (noch) nicht können.
  • Geh nicht davon aus, dass alle Personen die Fachbegriffe verstehen, die du verwendest. Wenn du Fachbegriffe verwenden musst/willst, dann erklär sie, bis die Personen, die sich dafür interessieren, sie verstanden haben.
  • Achte darauf, wen du um Hilfe bittest bei den Tätigkeiten, die du grade machst - sind es eher Menschen, die du als Männer erkennst, oder weiblich sozialisierte? Denk drüber nach, warum du das machst.
  • Mach nicht immer alles gleich selbst, auch wenn du vielleicht schneller bist oder es besser kannst als ein_e andere_r. Überleg dir wie du zu deinem Können gekommen bist. Lass der anderen Person, wenn sie Interesse hat, den gleichen Raum den auch du hattest zum Probieren, Tun, Scheitern, Lernen.
  • Frage nach, wenn eine Person etwas sagen wollte und dann doch nicht gesagt hat, weil das eine Verzögerung bedeutet hätte; bedenke, dass es nicht nur auf den 'Erfolg' im Sinne eines Bau-Ergebnisses ankommt, sondern auch auf die Art, wie die Personen dabei interagieren.
  • Es gibt keine dummen Fragen! Wenn sich eine_r nicht auskennt oder oder auch nach mehrmaliger Erklärung noch was unklar geblieben ist, sollte der Raum da sein, dass er_sie auch öfter nachfragen kann!
  • Wenn du selber etwas sagen wolltest und unterdrückt hast, nimm dir den Raum und die Aufmerksamkeit es doch noch zu sagen, und fühl dich nicht unter Druck gesetzt, dass das, was du sagst, besonders toll sein muss.
  • Fühl dich veratwortlich, Leute die du mitbringst auf die Baustelle auf die Wünsche bezüglich der antisexistischen Baustelle aufmerksam zu machen
  • Ganz allgemein sind ALLE dafür verantwortlich, dass dieser Raum ein antisexistischer Raum sein kann!
  • Mach Leute darauf aufmerksam wenn du ihr Verhalten nicht gut findest (weil sie sich sexistisch, rassistisch, homophob, antisemitisch oder sonstwie diskriminierend verhalten). Du kannst auch Leute auf der Baustelle ansprechen und sie um Unterstützung bitten. Oder du schreibst auf die Feedback/Beschwerde/Ereignis-Wand und kannst so allen mitteilen was war. Die Plakate werden auch auf den wöchentlichen Plena besprochen."